Bodentrupp #2: Interview mit einem Bienenfreund

Heute bei mir zu Gast, Phacelia tanacetifolia. Ein Mitglied der Familie, der Raublattgewächse (Boraginaceae) und somit ein enger Verwandter des Borretschs.

Phacelia 2

Wer den Beitrag, ‚Ich liebe Borretsch‚, gelesen hat weiß, dass auch Büschelschön, wie es auch oft genannt wird,  somit zur Familie der „Mut-mach- Pflanzen“ gehört.

„Phacelia, vielen Dank, dass Sie sich heute für uns Zeit genommen haben uns ein paar Fragen zu beantworten.

Meine erste Frage:

Wie stehen Sie zu Unkraut?“

Nun, ich finde diese, durchaus sehr unpassende Bezeichnung, sehr traurig, fast schon rassistisch, aber sie ist eben menschlich. Was ‚Mensch‘ als „Unkraut“ bezeichnet, sind einfach nur Pflanzen, die besonders stark, verbreitungsfreudig, manchmal Einheimisch und manchmal von weit her eingereiste Pflanzengenossen sind.

In vielen Gärten treffen wir auf Pflanzen, die zuerst als schöne Zierpflanzen galten und dann, weil es der ‚Masse‘ nicht mehr gefiel, zum „Unkraut“ degradiert wurden. Die Masse machts!

Ein gutes Beispiel hier für ist, dass durchaus wunderschöne Erigeron anuus. Wunderbar nachzulesen in dem Beitrag „Heute bin ich Unkraut“.

„Wie sehen Sie sich selbst? Scheinbar bringen Sie auch sehr gute „Unkrauteigenschaften“ mit.“

Ja das stimmt, ich gehöre zu einer durchaus kräftigen, krautigen Pflanzengattung. Das Einzige, was uns an zu exzessiver Verbreitung hindert, ist der europäische Winter. Wir erfrieren. Hört sich tragisch an, aber diese Kamikaze- Aktion schützt im Winter den Boden und somit hat unsere Feind, Erosion, weniger Chancen den fruchtbaren Boden abzutragen. Unser verzweigtes Wurzelsystem durchwühlt den Boden und schenkt ‚dem Menschen‘ eine feine Krume. Wir nehmen wichtige Nährstoffe auf und geben Sie nach unserem Ableben an Muttererde zurück.

Um ihre Frage zu beantworten, ich sehe mich nicht als Held, sondern eher als Märtyrer. Ich glaube fest daran, dass ‚die Menschheit‘ es irgendwann wieder schaffen wird, mit uns, den Pflanzen und der Natur, im Einklang zu leben. Wir Pflanzen sind hier auf der Erde, ‚die Menschen‘ zu schützen und ihnen zu helfen, aber dies haben unsere Freunde, aus Fleisch und Blut, leider vergessen. Sie ignorieren ihre, in ihnen enthaltene, pflanzliche DNA.

„Sie scheinen ein wahrer Menschenfreund zu sein. Sollte man Ihre Gattung nicht besser umtaufen, von ‚Bienenfreund‘ in ‚Menschenfreund‘?“

Nein, ich trage diesen, von ‚Menschen‘ gegebenen Namen, sehr gerne, er spiegelt, eine ihrer durchaus positiven Eigenschaft, wider. ‚Menschen‘ können mit dem Herzen sehen, wenn sie sich doch nicht ständig, von ihrer Angst, blenden lassen würden. Diese Angst lähmt sie, sie sind nicht mehr bei klarem Verstand.

Der Verstand findet nicht nur im Kopf statt, das Herz entscheidet mit, wenn es dies nur darf. Viele Entscheidungen sind oft Einseitig und  somit nicht ausbalanciert. ‚Ein Mensch‘ hat vor vielen tausend Jahren fest gelegt, dass Entscheidungen,  zusammen mit dem Herzen, unklug sind. Die Masse folgte. Viele fürchtet sich vor Dingen, die der Verstand, scheinbar nicht versteht, würde ‚Mensch‘ doch einfach mal mit dem Herzen schauen.

„Danke für diese ehrlichen und geradezu wahren Worte. Was wünschen Sie sich für die Zukunft?“

Von ganzem Herzen wünsche ich, ‚den Menschen‘, mehr Mut.

Mut, die Dinge in ihrem Leben, wieder zusammen mit ihrem Herzen, zu entscheiden.

 

„Vielen Dank, für das Interview und Ihr überaus vortreffliches Schlussplädoyer. Es war mir eine Ehre.“

Ganz meinerseits.

Es gibt noch Hoffnung. Nicht alle ‚Menschen‘ sind blind vor Angst.

Ich erinnere gerne an die Wort von, Antoine de Saint-Exupéry, aus seinem Werk, ‚Der kleine Prinz‘, er war ein Visionär und seiner Zeit weit voraus.

>>Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.<<

Phacelia 1

 

AUTORIN: MION/UNKRAUT

 

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Starlights sagt:

    Wirklich schöner Beitrag, wie immer ein Genuss für die Seele

    Gefällt 2 Personen

    1. borretsch sagt:

      Danke, dass hast du sehr schön gesagt. Das ehrt und freut mich, wenn ich jemandem auf diesem Weg etwas Gutes tun kann.

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  2. Rita sagt:

    Hallo Mion, der Beitrag ist super, er erinnert mich auch an mich selbst. Man sollte wirklich mehr dem Herzen folgen und den Kopf abschalten. Das wäre die perfekte Lösung. Super Bilder und wieder wie immer sehr gut geschrieben. Hochachtung. Rita

    Gefällt 1 Person

    1. borretsch sagt:

      Danke Rita für die vielen Komplimente. Den Kopf muss man gar nicht ausschalten nur das Herz ein.
      Dein Herz ist an 🙂

      Gefällt 1 Person

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