Inkognito: Multifunktionale Bodentruppen-#1 Klee

Multifunktionale Bodentruppen agieren und operieren im Verborgenen. Ihre Arbeit ist phänomenal mit einer sehr hohen Erfolgsquote.

Bei ihrer geheimen Mission, wühlen sie den Boden auf, machen ihn fein krümelig, versorgen ihn mit Stickstoff, fördern seine Gesundheit, beschatten ihn, helfen Bienen, Hummeln, Schmetterlingen, sowie Vögeln und vergraulen Schädlinge. Und noch vieles mehr.

Wer sind denn nun diese Superhelden, die uns bei der naturnahen Gartenarbeit immer so hervorragend unterstützen?

Drei Kameraden aus meinem Garten haben sich bereit erklärt, etwas über ihr Tätigkeitsfeld zu berichten, der Rest möchte, zur Zeit, unerkannt bleiben.

Als erstes stellt sich ‚Trifolium pratense‘ vor. Besser bekannt als Wiesen -oder Rotklee.

„Herr Trifolium, oder darf ich ‚Klee‘ sagen, schön, dass Sie da sind, um mir heute gerne ein paar Fragen zu beantworten.

Beim ersten Gedanken an Klee, denkt man an vier Blätter, sie haben drei. Wie kommt es dazu?“

Vielen Dank für die Einladung, der Einfachheit wegen, darf man mich gerne ‚Klee‘ nennen; und ich nutze gerne die Chance mich einmal besser vorzustellen. Nun zu Ihrer Frage:

Kleearten gibt es unzählige. Mein Name ‚Trifolium‘ sagt schon alles. ‚tri‘ steht für drei und ‚folium‘ für Blatt. Ich bin also ein Dreiblatt. Der vierblättrige KIee, stammt auch aus einer ganz anderen Pflanzenfamilie, nämlich der Sauerkleegewächse.

‚Oxaldaceae‘, enthalten, wie man am Namen schon feststellen kann, Oxalsäure, so wie Spinat und Rhabarber. ‚Oxalis tetraphylla‘, der uns als Zierpflanze bekannte Glücksklee, wächst aus einer kleinen Knolle, diese sollen sogar hervorragend schmecken und werden wie Rüben zubereitet.

Oxalis
Oxalis-Blüte

Meine Gattung, ‚Trifolium pratense‘, kann es vielleicht nicht geschmacklich mit dem Glücksklee aufnehmen, aber wir bringen andere Fähigkeiten mit.’Pythoestorgen‘ heißt das Zauberwort.

Meine Inhaltsstoffe, haben ein positive Wirkung auf Wechseljahrbeschwerden, der Frau. Ein Tee aus meinen Blüten soll sehr revitalisierend und reinigend wirken. In der Schwangerschaft ist er allerdings nicht zu empfehlen.

Soja, soll zwar, so sagen die Medien, immer noch um einiges mehr, dieses Wundermittels ‚Pythoestorgen‘  enthalten, weshalb in Asien weniger Frauen unter, Wechseljahrbeschwerden leiden sollen. Was aber auch auf die asiatische Lebensweise zurück zuführen sein könnte. Viel Gemüse, viel Fisch, wenig Fleisch und sich weniger Gedanken machen.

Und hey, viel ist nicht immer gleich gut!

Und überhaupt wachse ich hier in Deutschland und blühe schon im Frühling und kann somit jedem Frühlingssalat den letzten Pfiff verleihen. 1:0 für mich.

 

„Ganz klarer Heimvorteil für Sie. 

Ihre Gattung gibt es auch als Gründüngung. Welche wäre diese?“

Hier für nutzt man den ‚Persischen Klee‘ (Trifolium resupinatum). Dieser friert auch im Winter ab. Er kann als Vorkultur von Kohl, den Boden mit Stickstoff anreichern. Zu Kohl gesät, hält er durch seinen Duft, Kohleschädlinge ab.

‚Perser Klee‘ wächst schnell, bildet viel Grün, wenn sich genug Blattmasse gebildet hat, kann man diese aushaken und um den Kohl herum, als Nährstoffgabe, in die Erde einarbeiten.

Beeilt euch damit, denn Hasen und auch Wildhasen, vielleicht auch Tauben, lieben das Grün und vor allem die Blüten, dieses Klees.

Leider kann ich, trotz ausführlicher Recherche, nur meine Wenigkeit (Rotklee) und meinen Bruder den ‚Weißklee‘, von der Wiese, zum Verzehr empfehlen.

„Apropos Wiese. Wiese ist nicht gleich Rasen, da sind wir uns einig. Die Zeiten haben sich geändert. Die Welt dreht sich scheinbar schneller, wir benötigen effektivere Maßnahmen, um Zeit zu sparen. Was spricht in der heutigen Zeit dagegen, Sie, Herr Wiesenklee, nicht mit Unkrautvernichtern, auf dem Rasen, zu eliminieren?“

Es ist wahr, die Uhren ticken schneller. Viel zu schnell. Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass sich die Menschen nach Entschleunigung sehnen. Die Geschwindigkeit hat sich verdoppelt, wenn nicht sogar verdrei- oder vierfacht. Siehe Autos, um nur ein Beispiel zu nennen.

Zeit scheint knapp geworden zu sein.

Aber wieso, wieso scheint Zeit knapp geworden zu sein, wenn wir heutzutage mit so vielen Dingen Zeit sparen können. Wäschewaschen dauerte, vor ca. 50 Jahren, Stunden. Heute übernimmt dies die Waschmaschine.

Laut meiner Rechnung, also eine durchaus positive Zeit-Bilanz. Aber wo ist die Zeit hin?  Warum haben wir scheinbar weniger davon, als vor 50 Jahren?

Meine Theorie, wir verschwenden Zeit, weil wir soviel davon haben.

Wir verschwenden Zeit mit Auto-Staus, mit Statusoptimierung, mit Ärger über Andere, mit Bürokratie, mit Optimierungszwang, mit Hass auf Andere, mit Angst vor „Nicht geschehenem“, mit Machtsteigerung und vor allem mit Geldgeilheit.

Ich appelliere für mehr Genügsamkeit.

Mein Samen kann bis zu 100 Jahre keimfähig bleiben, ich habe also massig Zeit und schon viel gesehen. Menschen haben es sich im Laufe der Evolution scheinbar einfacher gemacht , aber es macht sie nicht glücklich, denn es fehlt ihnen immer Zeit. Zeit für sich.

Es spricht demnach sehr viel für eine Wiese mit Klee. Ich biete kostenlose Hilfe bei Verstopfung, Gicht und Rheuma. Wirke blutreinigend und leberstärkend.

Bin, wie bereits erwähnt, ein Wundermittel bei Wechseljahrbeschwerden, wie Hitzewallungen und bringe im Frühjahr jedem, der möchte, neue Vitalität, auch optisch.

Menschen im dritten Frühling, würden überreichlich von meinen super Fähigkeiten profitieren. Ich bin auch nicht nachtragend, ich verzeihe schnell, wenn man mir doch letztendlich eine Chance im  Garten, auf dem jahrelang gepflegten Rasen gibt, weil der Körper das harte und oft übereilte Unkraut jäten nicht mehr mitmacht.

Kleinen Enkeln, ist es mit Sicherheit eine Freude, ein paar Klee-Blüten für Oma und Opa vom Rasen zu pflücken, um diese dann als Tee, zum Nachmittagskuchen, zu trinken.

„Wie wunderbar. Eine generationsübergreifende Pflanze. 

Zum Schluss, bitte noch ein paar Worte zu Ihrer überaus wichtigen Eigenschaft als ‚Schmetterlingsweide‘.“

Meine Gattung gehört zur Familie, der Hülsenfrüchtler und zur Unterfamilie der Schmetterlingsblütler.

Mein Nektar kann, wegen meines „Klapp-Mechanismus“, wie z.B. das Löwenmäulchen Einen hat, nur mit sehr langem Rüssel getrunken werden, weshalb mich auch gerne Hummeln besuchen.

Löwenmäulchen 3.gif
Löwenmäulchen

Ich, Herr Klee, blühe, wenn man mich lässt, von April bis Oktober. Wer sich und die Hummeln glücklich machen möchte, lässt mich in seinem Garten gewähren.

Ich bin eine zweijährige, ausdauernde und krautige Pflanze. Leider nicht jedermann Freund, aber eine durchaus lukrative Zeitersparnis, wenn man meine, überaus tiefe Pfahlwurzel, nicht zu entfernen versucht.

Menschen, denen Gleichmut und Frohgemut nicht in die Wiege gelegt wurden, ist eine Wiese mit dem ein oder anderen  Klee, wärmstens zu empfehlen.

Vielleicht kommt beim Beobachten, der scheinbar unbeschwerten Schmetterlinge, der Lebensmut zurück und schenkt Glückseligkeit.

„Welch wunderbare Metapher für, über die Wiese, hüpfende Enkel.

Vielen Danke für Ihre Zeit, lieber Herr Klee.

Ich werde sie in Ehren halten und sie von und mit Herz weiterempfehlen.

Soviel Zeit muss sein.“ 😉

 

AUTORIN: MION / UNKRAUT

 

15 Kommentare Gib deinen ab

  1. pflanzwas sagt:

    PS das Foto vom Klee ist sooo schön !!!

    Gefällt 1 Person

    1. Mion sagt:

      Danke ❤ Ich sags dem Klee 😀

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  2. pflanzwas sagt:

    Toller Beitrag und sehr schön geschrieben ! Es macht richtig Freude, so persönlich mehr von den Blumen zu erfahren. Den Klee habe ich auch erst vor 1 oder 2 Jahren entdeckt. Ich finde, er sieht wunderschön aus, wenn er blüht. Wieder einmal ein „Un“-Kraut, das keins ist. Die Hummeln haben sich gefreut. Um das Angebot zu bereichern ziehe ich jetzt gerade Rotklee. Ich glaube mich zu erinnern, daß der Klee letzten Sommer recht süß duftete ?!! Als Kinder haben wir gerne die Blüten ausgelutscht 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Mion sagt:

      Man sieht ja schon an deinem Blog-Themen-Foto, dass du Klee sehr gerne magst. Fast alles, aus dem die Flieger trinken, duftet gut, Biene und Co. kennt sich eben aus!
      Das „Blütenlutschen“ werde ich Nachmachen 😀

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      1. pflanzwas sagt:

        Ich habs noch nicht wieder gemacht muß ich gestehen, aber wenn die nächsten Blüten da sind…dann !

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  3. dagehtwas sagt:

    Diese Pflanzeninterviews sind eine sehr coole Idee :-)!
    Eins deiner Komplimente an mich kann ich dir an dieser Stelle auch gleich mal zurückgeben: Du kennst dich aber auch aus!
    🙂 Ich würd mich wirklich freuen, wenn wir mal was zusammen machen! Vielleicht fällt uns ja was gutes ein…
    Wenn du auch Lust dazu hast, dann meld dich mal über meine Email-Adresse – siehe Kontakt auf http://www.dagehtwas.org!
    (Hast du eine Emailadresse auf deinem Blog angegeben? ich hab keine gefunden…)

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    1. borretsch sagt:

      Danke das ehrt mich sehr und lässt mich förmlich wachsen.
      Gerne, würde ich etwas mit dir machen, wir Randgruppen müssen uns doch gegenseitig unterstützen. Ich melde mich per Email bei dir.

      Grüne Grüße

      Mion

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  4. wurzelinchen sagt:

    Ich hatte keine Ahnung, dass Klee so vielseitig ist!! Danke für diesen interessanten und so pointiert geschriebenen Text! LG, Kornelia

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    1. borretsch sagt:

      Danke, das du dir Zeit genommen hast meinen Beitrag zu lesen und zu kommentieren und von Herzen Danke für, dass überaus entzückende Kompliment.

      Grüne Grüße

      Mion

      Gefällt mir

  5. Rita sagt:

    Liebe Mion, was für ein unglaublicher Beitrag, der mich etwas nachdenklich gemacht hat. So habe ich den Klee noch nie gesehen. Finde es super, wie Du das alles zusammenträgst und warte schon gespannt auf den nächsten. Weiter so, bis bald Rita

    Gefällt 2 Personen

    1. borretsch sagt:

      Danke, liebe Rita, dass du dir Zeit genommen hast meinen Beitrag zu lesen und zu kommentieren. Ich werde mein Bestes geben dir und meinen Lesern stets eine Freude zu breiten und neue Perspektiven aufzuzeigen.

      MION

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